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Methode · 5 Min.

V60, aber langsamer.

Eine Vier-Aufgüsse-Rezeptur, die viele helle Röstungen sanfter und süßer macht.

Vom Brew-Bar · Pour-over-Methode

„Langsamer“ trägt in diesem Titel viel, also möchte ich präzisieren, was das bedeutet – und was nicht. Es bedeutet nicht kälteres Wasser. Es bedeutet nicht grobe Mahlung und einen faulen Schwall. Bei einer hellen Röstung sind das die zwei häufigsten Wege zu einer sauren, hohlen Tasse. Langsamer bedeutet hier: gestaffelt – ein ordentlicher Bloom, weniger und bewusstere Güsse, und ein Ablauf, den man auf seiner eigenen Uhr ablaufen lässt, statt ihn zu hetzen.

Das Rezept

Kaffee
15 g
Wasser
250 g gesamt — ein 1:16,6-Verhältnis
Wassertemperatur
94–96 °C (kurz vor dem Kochen — heiß)
Mahlung
Mittelfein
Bloom
45 g Wasser für 45 s, mit sanftem Schwenken
Guss 2
bis 100 g
Guss 3
bis 175 g
Guss 4
bis 250 g
Gesamtablauf
~2:45–3:15
Abschluss
ein sanftes Schwenken, um das Bett zu glätten

Warum heiß, nicht kühl

Die Volksweisheit, dass helle Röstungen kälteres Wasser möchten, ist falsch. Extraktion ist ein Chemieproblem, und Temperatur ist der größte Hebel für Löslichkeit. Helle Röstungen sind dichter und weniger löslich als dunkle; sie brauchen die Energie. Einen hochgewachsenen gewaschenen Kaffee bei 88 °C zu brühen extrahiert die hellen, scharfen Säuren, lange bevor die Zucker und die runderen Aromen folgen – die Tasse wirkt sauer, grün und dünn, weil sie genuinerweise unterextrahiert ist. Bei 94–96 °C gibt man der Süße und den Blütenaromen eine Chance durchzukommen. Das kühlere Wasser bleibt dunklen Röstungen vorbehalten, die Bitterkeit zu leicht abgeben und von einer sanfteren Hand profitieren.

Die Güsse, der Reihe nach

Mit dem Bloom beginnen: 45 g Wasser – etwa das Dreifache des Kaffeegewichts – gegossen, um das gesamte Bett zu befeuchten, dann ein sanftes Schwenken, damit keine trockenen Klumpen bleiben. 45 Sekunden warten. Das ist die CO₂-Entgasung; gießt man auf einen aktiven Bloom, drückt das Gas das Wasser vom Kaffeepulver weg und man extrahiert ungleichmäßig. Nach dem Bloom in drei Stufen gießen, das Niveau zwischen jedem Guss absinken lassen: bis 100 g, dann bis 175 g, dann bis 250 g. Mit einer stetigen, zentralen Spirale eingießen und die Filterwand meiden – das leitet Wasser am Kaffee vorbei.

Das Ziel: der gesamte Vorgang – erster Tropfen bis letzter Ablauf – sollte in etwa 2:45 bis 3:15 fertig sein. Ein Abschluss deutlich schneller bedeutet meist zu grobe Mahlung (weniger vergröbern oder langsamer gießen), und die Tasse wird dünn; deutlich langsamer und die Mahlung ist zu fein oder das Bett ist verstopft – man schmeckt es als austrocknende Bitterkeit. Am Ende ein letztes sanftes Schwenken, um das Kaffeepulver flach gegen den Kegel zu setzen, damit das Bett gleichmäßig abläuft statt einen hohen Ringrand zu hinterlassen. Verkosten. Sauer und dünn: feiner oder heißer gehen; hart und austrocknend: zurückrudern.